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Aufgaben und Tätigkeiten

Worum geht es?

Ingenieure der Verfahrenstechnik entwickeln, realisieren und betreiben Prozesse, in denen Produkte aus Rohstoffen gefertigt werden. Zudem planen, bauen und optimieren sie Apparate und Anlagen, die diese Prozesse umsetzen.

Neue verfahrenstechnische Grundlagen schaffen

Von Lebensmitteln über Kosmetika bis zu Kunststoffen: Die Ingenieure beherrschen die "Kunst“ der Stoffumwandlung und sind mit zahlreichen Aufgaben rund um die Herstellung solcher Produkte der Verfahrenstechnik betraut. Für die Fertigung eines neuen Produkts - beispielsweise einer Anti-Falten-Creme - schaffen sie neue verfahrenstechnische Grundlagen und entwickeln sie für die Gestaltung von technischen Prozessen weiter. Hierzu untersuchen sie, wie die Grundmaterialien beschaffen sein müssen, welche Eigenschaften die fertige Creme haben soll und welche Maschinen und Anlagen für die Produktion infrage kommen. Sie erfassen die physikalischen, chemischen und biologischen Zusammenhänge und beschreiben diese auch mathematisch. Außerdem simulieren und berechnen die Ingenieure neue Verfahren und erproben sie in Versuchs- und Pilotanlagen in einem größeren Maßstab.

Anlagen planen und konstruieren

Bei der Planung, Projektion und Konstruktion von Anlagen setzen sie diese in Abhängigkeit von den in ihnen ablaufenden Prozessen aus den entsprechenden Einzelkomponenten wie Behältern, Rohren, Pumpen, Ventilen, Apparaten mit den zugehörigen Mess- und Regeleinrichtungen zusammen. Sie gehen dabei von der Prozessbeschreibung und den darauf aufbauenden Stoff- und Energieflussplänen aus. Sie müssen aber auch Umweltschutzauflagen und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen berücksichtigen. Sie berechnen die Auslegung der einzelnen Komponenten, beispielsweise der Behälter, mit CAD-Verfahren, und erstellen dann die Rohrleitungs- und Aufstellungspläne. Zusammen mit den Fachleuten der Prozessleittechnik werden die mess- und regeltechnischen Komponenten und Verfahren festgelegt. Ingenieure der Verfahrenstechnik konstruieren auch die Details der Apparate und ihrer Einzelteile oder beauftragen damit Ingenieursinstitute. Schließlich erstellen sie die kompletten Bau- und Montagezeichnungen und die anderen Unterlagen für die Fertigung.

Fertigungsabläufe steuern und überwachen

Bei der Montage der Apparate und Anlagen überwachen Ingenieure der Verfahrenstechnik an Ort und Stelle den Zusammenbau der Rohrleitungen, Behälter, Armaturen und die Mess- und Regeleinrichtungen. Sie organisieren den Materialtransport und sind für die Einhaltung der Fertigungstermine verantwortlich. Technische Schwierigkeiten müssen sie dabei fachgerecht lösen und gegebenenfalls improvisieren können. Sie nehmen die Anlagen in Betrieb, führen zum Beispiel Druck- und Dichtetests durch und übergeben die Anlagen dem Kunden. Sie betreuen und überwachen auch fertige Produktionsanlagen. Diese betreiben sie so, dass keine Störungen auftreten und ein optimaler Wirkungsgrad erreicht wird. Sie bearbeiten Verbesserungs- und Änderungsvorschläge der betrieblichen Einrichtungen und entwickeln auch die Verfahren weiter. In der Validierung stellen sie sicher, dass Produktionsanlagen, Geräte, Analysemethoden und alle Herstellungsprozesse jederzeit den geforderten Qualitätsstandards entsprechen, führen Risikoanalysen durch und sind für die Validierungsdokumentation verantwortlich.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Neben den eben genannten Tätigkeitsfeldern stehen Ingenieuren der Verfahrenstechnik viele Arbeitsfelder offen. Beispielsweise können sie im Vertrieb von Anlagen und Anlagenkomponenten der Verfahrenstechnik und dazugehörigen Dienstleistungen, in der anwendungstechnischen Kundenberatung oder im Einkauf und in der Materialwirtschaft tätig sein. Wer ein Master- oder Diplomstudium absolviert hat, übernimmt häufig Führungspositionen und kann auch in Wissenschaft und Forschung tätig werden.

 

Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

Verfahrenstechnische Prozesse entwickeln und optimieren

  • Verfahren festlegen
  • Stoffmengen für die Umsetzung des Verfahrens in der endgültigen Anlage umrechnen
  • Ggf. Validierungsaktivitäten entwickeln und dokumentieren, um sicherzustellen, dass Produktionsanlagen, Geräte, Analysemethoden und alle Herstellungsprozesse jederzeit den geforderten Qualitätsstandards entsprechen

Verfahrenstechnische Anlagen planen und projektieren

  • Anlagenschema entwickeln und festlegen
  • Einzeloperationen der Verfahren den Anlagenkomponenten zuordnen
  • Größe der Anlagenteile und Apparate bestimmen, konstruktive Details ausarbeiten und festlegen
  • Bauunterlagen erstellen, z.B. Aufteilungsplan der Komponenten, Rohrleitungspläne

Verfahrenstechnische Anlagenteile fertigen und Anlagen bauen und montieren

  • Anlagenteile herstellen oder beschaffen
  • Termin- und fachgerechten Auf- und Zusammenbau der Anlage planen, organisieren und überwachen
  • Probeläufe durchführen und überwachen

Anlagenbetrieb überwachen und Anlagen instand halten

  • Produktionsprozesse überwachen und die erforderlichen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten planen und veranlassen
  • Einhaltung der Arbeitsschutz-, Sicherheits- und Umweltschutzvorschriften überwachen
  • Produktionsverfahren und Anlagenkomponenten optimieren und weiterentwickeln

Anlagen und Apparate vertreiben

  • Kunden und Anwender betreuen und beraten
  • Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchführen, Angebote ausarbeiten

Organisation und Koordination

  • Im Unternehmensmanagement, in der Geschäftsleitung mitarbeiten, dabei z.B. Projekte nach technischen und kaufmännischen Kriterien überprüfen, betriebliche Kennzahlen aufarbeiten, Vorschläge für die betriebliche Reorganisation und die Optimierung von betrieblichen Abläufen ausarbeiten
  • Die Bereiche Einkauf, Materialwirtschaft, Vertrieb, betriebliches Rechnungswesen leiten oder darin mitarbeiten
  • Führungs- und Leitungsaufgaben wahrnehmen, Mitarbeiter im eigenen Verantwortungsbereich führen, anleiten und beurteilen

Gutachten und Schulungen

  • Betriebliche Aus- und Weiterbildung planen und überwachen
  • Als Sachverständiger Gutachten und Prüfberichte erstellen

Wissenschaft und Forschung (in der Regel mit Master- oder Diplomabschluss)

  • Technisch-wissenschaftliche Versuche zur Erforschung neuer verfahrenstechnischer Prozesse durchführen
  • Aufgaben in der Grundlagenforschung oder in der Lehre übernehmen
  • Charakteristische Stoffwerte wie chemische Zusammensetzung, Konzentrationen der Stoffe, Größe der Teilchen ermitteln
  • Versuche im Labor- und Technikumsmaßstab durchführen