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Maschinen- und Anlagenbau: Wichtigster Ingenieurarbeitgeber

Im Jahr 2008 plante der Maschinen- und Anlagenbau insgesamt 30.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Doch laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau kann der Personalbedarf aufgrund des Ingenieurmangels und der Knappheit an geeigneten Facharbeitern nicht gedeckt werden. Helmut Rauen, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im VDMA, teilte anlässlich des Dritten Nationalen IT-Gipfels mit, dass der Fachkräftemangel im Maschinenbau auch vor der Software und Automatisierungstechnik-Entwicklung nicht halt macht. Viele Stellen sind in diesem Bereich bereits heute genauso unbesetzt wie in der mechanischen Entwicklung und Konstruktion.

Die Wichtigkeit von Software und Automatisierungstechnik im Anlagen- und Maschinenbau betont auch die Beschäftigungszunahme bei Elektroingenieuren und Informatikern, die sich innerhalb von zehn Jahren in der Branche auf rund 34.000 verdoppelt hat. Diese Entwicklung scheint sich kontinuierlich fortzusetzen: Befragte Unternehmen rechnen damit, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Bereich der Entwicklung von Software und Automatisierungstechnik in den kommenden drei Jahren um mehr als 30 Prozent zunehmen wird.

Technisches Human Kapital wesentlicher Erfolgsfaktor

Ein hoch qualifiziertes, motiviertes und engagiertes technisches Human Kapital ist für die technisch höchst anspruchvolle Branche Maschinen- und Anlagenbau ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt 148.000 Ingenieure und Informatiker. Somit ist die Branche der bedeutendste Arbeitgeber für Ingenieure. Der Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften wird weiterhin steigen, u.a. aufgrund des demographischen Wandels. Die Innovationsbranche Maschinenbau kann ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nur langfristig bewahren, wenn ein ausgezeichneter Ingenieurnachwuchs zukünftig gesichert bleibt. Im Allgemeinen sind seit Jahren die Anforderungen der Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus gestiegen. Auch Beschäftigte ohne akademischen Abschluss haben in der Regel geringstenfalls einen Abschluss als Facharbeiter.

(Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V., www.vdma.de)

Spannende Tätigkeitsbereiche für Ingenieure

Wenn man Ingenieure nach Ihrer Traumbranche fragt, fällt auf, dass der Maschinen- und Anlagenbau nicht zu den beliebtesten Branchen gehört. Aus einer Umfrage des Trendence Institut im Jahr 2007 geht hervor, dass Ingenieure am liebsten in Unternehmen der Branchen Fahrzeugbau, Elektrotechnik bzw. IT/Elektronik oder in der Luft- und Raumfahrtindustrie tätig sein möchten. Der Berufseinstieg bei einem Hersteller von Pumpen, Werkzeugen, Waagen oder Landmaschinen entspricht meistens nicht den Vorstellungen jünger Ingenieure, die von Kind an vom Bauen großer Autos oder Flugzeuge geträumt hatten. Doch was viele junge Ingenieure nicht wissen: Auch der Maschinen- und Anlagenbau bietet Ingenieurabsolventen ein spannendes und breites Spektrum an Tätigkeiten- und Aufgabengebiete. Die Branche und deren Erzeugnisse haben weltweit einen hervorragenden Ruf.

Es wird kontinuierlich investiert und die Aufwendungen für Innovationen Forschung und Entwicklung sind sehr hoch. Die Schwerpunkte der Ingenieuraufgaben in Maschinen- und Anlagenbau differenzieren sich voneinander je nach Fachzweig, Unternehmen und deren Größenklasse. Die häufigsten Tätigkeitsbereiche sind Forschung und Entwicklung, Konstruktion, Produktion und Vertrieb. Augrund des derzeitigen Ingenieurmangels haben exzellente Ingenieurabsolventen sehr gute Chancen auf einen Berufseinstieg und eine rasche Karriereentwicklung in einem Konzern oder einem der zahlreichen mittelständischen Unternehmen der Branche.

Sehr hohe Anforderungen

Die Anforderungen der Arbeitgeber im Maschinen- und Anlagenbau sind sehr hoch. Aus diesem Grunde haben Beschäftigte ohne Studienabschluss meistens mindestens einen Abschluss als Facharbeiter. Stellenstreichungen betreffen kaum Ingenieure sondern ältere Beschäftigte und unzureichend qualizierte Facharbeiter. Trotzt des  gegenwärtigen Ingenieurmangels schafft nicht jeder Ingenieurabsolvent einen sofortigen Berufseinstieg. Denn das Berufsbild des Ingenieurs hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Es reicht nicht mehr aus, technisch versiert zu sein. Denn Arbeitgeber suchen Ingenieure, die das angeeignete fachliche Wissen mit einer dienstleistungsorientierten Persönlichkeit verbinden. Es wird viel Wert auf Offenheit gelegt, welche Voraussetzung ist, um auch in Bereichen wie Kundenservice, Marketing oder Vertrieb tätig zu sein.

Unternehmen verlangen von Ingenieurabsolventen neben technischem Fach- und Detailwissen, fachübergreifendes und interdisziplinäres Wissen sowie Spezial-Know-how, je nach Aufgabengebiet und Fachzweig. Sehr gute CAD-Kenntnisse (Computer Aided Design) werden von Arbeitgebern mittlerweile als selbstverständlich betrachtet, insbesondere für Ingenieure die eine Position einen Berufseinstieg in den Bereichen Entwicklung oder Konstruktion anstreben. Personalverantwortliche bevorzugen junge Bewerber die bereits erste praktische Erfahrungen z.B. durch Praxissemester, einschlägige Praktika oder Diplomarbeiten in einem Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sammeln konnten.

Zudem erwarten die Personalverantwortlichen von Berufseinsteigern sehr gute Fremdsprachenkenntnisse, betriebswirtschaftliches Wissen, Kenntnisse zum Thema Projektmanagement, sowie fundiertes Wissen über den globalen Markt des Maschinen- und Anlagenbaus. Denn aufgrund seiner starken Exportorientierung agiert die Mehrheit der Unternehmen auf internationaler Ebene. Neben fachlichen Kompetenzen werden auch Soft Skills verlangt, u.a. Kommunikations- und Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Mobilität, Flexibilität.

 

Maschinenbauingenieure sehr begehrt

Nach Angaben von Hartmut Rauen, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des VDMA, des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau, haben Maschinenbauingenieure sehr gute Chancen. In der Branche Maschinen- und Anlagenbau sind schätzungsweise 8000 bis 9000 Ingenieurstellen unbesetzt. Ein starker Ingenieurbedarf besteht insbesondere in der Konstruktion, Forschung und Entwicklung. Sehr begehrt sind auch Vertriebsingenieure, da die Erzeugnisse des Maschinen- und Anlagenbaus stark technisiert  sind und einen hohen technologischen Sachverstand verlangen. Infolgedessen brauchen Kunden Unterstützung bei technischen Problemlösungen. Die Tatsache, dass der Studiengang Vertriebsingenieur kaum zu finden ist, bedeutet für die Industrie eine Lücke. Eine Reihe von jungen Maschinenbauingenieuren hat Schwierigkeiten bei der Übergangsphase von der Hochschule zum beruflichen Alltag. Ihnen fehlt das Wissen im Projektmanagement und sie kennen sich nicht aus mit Prozeduren und Strukturen im Betrieb.

Hierbei haben diejenigen, die bereits eine Berufsausbildung absolviert haben, sicherlich Vorteile, weil sie Betriebsklima bereits beschnuppern konnten. Doch auch während des Studiums können angehende Ingenieure sich erforderliche Soft Skills aneignen, z.B. durch gemeinsame Projekte, um die Teamfähigkeit zu trainieren. Aufgrund der engen Zusammenarbeit von Ingenieuren mit Mitarbeiter verschiedenen Abteilungen, wie Produktion oder Konstruktion, den Zulieferern und Kunden, ist gerade Teamfähigkeit eine sehr wichtige Schlüsselqualifikation. Ob für einen Maschinenbauingenieur ein Bachelor- bzw. Masterabschluss besser ist, hängt von den individuellen Zielen ab. Diejenigen, die praxisorientiert sind und gegebenenfalls bereits eine Berufsausbildung gemacht haben, sollten einen Bachelor absolvieren. Dem kann ein Berufseinstieg und eine Karriere in der Industrie folgen. Einen Master kann man auch später in Abstimmung mit der eigenen Karriere absolvieren. Im Gegensatz sollten diejenigen, die gerne forschen und entwickeln und einen starken Sinn für tiefes wissenschaftliches Verstehen haben, einen Master an einer Universität absolvieren und eventuell später promovieren.
(Quelle: Text Basiert auf Interview von ABI mit Helmut Rauen, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des VDMA, des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau, in ABI, 32. Jahrgang, Heft 12)

 

Weitere Infos zum Thema Ingenieurmarkt unter:

>>> Ingenieurbeschäftigung in Deutschland

>>>Daten & Statistiken

>>> Ingenieurbedarf

>>> Ursachen des Ingenieurmangels

>>> Rekrutierungsbarrieren 

 

 

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