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Unternehmen unzufrieden mit Ingenieurverfügbarkeit

Die Stahlindustrie hat sich in den letzten zehn Jahren strukturell stark verändert und dynamisch weiterentwickelt. In den Jahren 2006 und 2007 konnte die Branche einen boomartigen Zuwachs registrieren. Laut aktuellen Wirtschaftsindikatoren wird sich die Stahlindustrie weiterhin positiv entwickeln, auch wenn aufgrund der globalen Wirtschaftkrise leichte Schwankungen zu erwarten sind. Junge Ingenieurabsolventen haben in der Branche hervorragenden Chancen auf einen schnellen Berufseinstieg und eine erfolgreiche Karriere. Wie in allen anderen ingenieuraffinen Industriebranchen sind hochqualifizierte Fachkräfte auch in der Stahlbranche sehr begehrt.
Rund 63 Prozent der Unternehmen der Metallerzeugung- und metallverarbeitenden Industrie bewerten die Verfügbarkeit der Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt als schlecht, 4,7 Prozent sogar als sehr schlecht. 21,1 Prozent der Unternehmen, die Ingenieure beschäftigen, haben offene Ingenieurstellen. (Quelle: IW, Zukunftspanel 2008)

 

Ingenieurnachfrage trotzt Beschäftigungsrückgang gestiegen

Die Zahl der Beschäftigten in der Stahlindustrie in den letzten 35 Jahren um 80.000 Mitarbeiter gesunken. Heute beschäftigt die Branche rund 92.300 Mitarbeiter (Stand 2007). Doch die Zahl der beschäftigten Ingenieure ist gestiegen. Der Anteil sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ingenieure an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Branche beträgt 2,4 Prozent (Quelle Institut der Deutschen Wirtschaft Köln, www.iwkoeln.de). Laut Einschätzungen von Experten wird die Ingenieurdichte in der Branche weiterhin steigen. Gefragt sind Ingenieure aller Fachrichtungen. Neben den typischen Einsatzgebieten in den Bereichen Produktion und Entwicklung werden Spezialisten für umweltschonende Technologien gesucht. Weitere Berufseinstiegsmöglichkeiten für Ingenieurabsolventen sind z.B. in den Bereichen technischer Vertrieb oder Anlagentechnik möglich.

Chancen und Herausforderungen

Der Berufseinstieg in der Stahlbranche ist für Absolventen der Ingenieurwissenschaften eindeutig leichter als für Absolventen anderer Fachrichtungen. Viele Unternehmen suchen hervorragend qualifizierte Nachwuchskräfte direkt und gezielt an Universitäten und Fachhochschulen. Studierende mit sehr guten Leistungen erhalten oft einen Arbeitsvertrag bereits vor ihren Studienabschluss. Zudem versuchen Unternehmen die Unternehmensanbindung der Absolventen durch interessante Nachwuchsförderungsprogramme langfristig zu sichern. Beste Chance auf einen schnellen Berufseinstieg und eine erfolgreiche Karriere haben Ingenieurabsolventen, die z.B. in Metallurgie oder Werkstofftechnik spezialisiert sind, weil es derzeit zu wenig Absolventen gibt, die solche Fächer als Schwerpunkt haben. Unabdingbare Voraussetzungen für eine Einstellung sind neben Fachwissen, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und durch eine aktive Mitgestaltung zum Erfolg des betreffenden Unternehmens beizutragen. Unternehmen verlangen von den Bewerbern eine Reihe bestimmter Soft Skills.

Besonders wichtig sind Teamfähigkeit, soziale und interkulturelle Kompetenz, sowie eine offene und international ausgerichtete Persönlichkeit. Die meisten Ingenieure sind in international aufgestellten Teams tätig, da viele Stahlunternehmen international agieren und die Abnehmer der Stahlerzeugnisse zunehmend ausländische Unternehmen sind. Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse und Auslandskontakte können die Karriere entscheidend begünstigen. Weitere Einstellungskriterien der Unternehmen sind Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Mobilität. Unternehmen bevorzugen Ingenieurabsolventen, die über eine hohe Bereitschaft verfügen, sich auf neue bzw. sich veränderte Situationen schnell und unkompliziert einpassen. Denn immer mehr Stahlunternehmen eröffnen neue Standorte in der Nähe ihrer Kunden oder der Rohstoffquellen. Ein Ingenieurabsolvent, der den Berufseinstieg schnell schafft, sollte in der Probezeit seinen neuen Arbeitgeber durch Lernbereitschaft, Offenheit und Engagement überzeugen können. Berufseinsteigern bietet sich die Gelegenheit, in interdisziplinär aufgestellten Teams bestehend aus unterschiedlichen Ingenieuren, Physikern, Verfahrensingenieuren oder Chemikern sich fachlich auszutauschen und erste wichtige Berufserfahrungen zu sammeln.

Perspektiven für Nachwuchskräfte

Branchenexperten sind überwiegend überzeugt, dass die Stahlindustrie weltweit - aufgrund des Stahls als vielleicht wichtigster Konstruktionswerkstoff - auch zukünftig von Wachstum geprägt sein wird. Infolgedessen wird auch die Zahl von hochqualifizierten Mitarbeitern steigen. Das Durchschnittsalter der beschäftigten Ingenieure steigt immer mehr. Die Zahl der beschäftigten Ingenieure ab 40 Jahre oder älter ist höher als die Zahl der jüngeren beschäftigten Ingenieure. In den nächsten Jahren wird die Zahl der Ingenieure die in Rente gehen, ebenso wie in vielen anderen Industriezweigen, deutlich steigen. Die verfehlte Personalpolitik der letzten Jahrzehnte, die sich unter anderem mit der Stahlkrise erklärt, hat ihre Spuren hinterlassen. Die Stahlbranche sucht immer mehr junge und engagierte hochqualifizierte Fachkräfte. In vielen Stahlunternehmen findet bereits heute ein mühsamer Generationswechsel zwischen älteren und jüngeren hochqualifizierten Fachkräften statt. Abiturienten, die sich heute für ein technisches Studium entscheiden und zusätzlich über sehr gute Fremdsprachenkenntnisse verfügen, werden in einigen Jahren sehr guten Aussichten auf einen Berufseinstieg in der Stahlindustrie haben. Hierbei wird insbesondere das Schulsystem gefordert, das Interesse für ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium in Schülern verstärkt zu wecken.

 

Weitere Infos zum Thema Ingenieurmarkt unter:

>>> Ingenieurbeschäftigung in Deutschland

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>>> Rekrutierungsbarrieren 

 

 

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