Bachelor oder Master

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Die klassischen Abschlüsse an deutschen Universitäten sind Diplom, Magister Artium und das Staatsexamen, die man in der Regel nach einem Studium von 4,5 bis 5 Jahren erlangt. Der Abschluss hängt oft von der Wahl des Studienfachs bzw. der Hochschule ab. Die Abschlüsse Bachelor und Master sind neu eingeführt worden.

 

Hintergrund von Bachelor & Master

Im Jahr 1999 unterzeichneten Regierungsvertreter aus 29 europäischen Nationen die so genannte „Bologna-Erklärung“, deren Ziel die Schaffung eines europäischen Hochschulrahmes bis zum Jahr 2010  ist. Auf mehreren Folgekonferenzen, zuletzt im Mai 2007 in London mit nunmehr als 46 Teilnehmerstaaten, wurde beraten, wie die verschiedenen nationalen Bildungssysteme miteinander kompatibel gestaltet werden können, um die Mobilität von Studierenden, Wissenschaftlern und Lehrenden innerhalb Europas  zu verbessern. Ein zentrales Anliegen des Bologna-Prozesses ist auch, die Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen zu fördern.

Auf dem Weg zur Errichtung des europäischen Hochschulrahmes im Rahmen des Bologna-Prozesses werden seit einigen Jahren immer mehr Studiengänge mit den international gebräuchlichen Abschlüssen Bachelor und Master eingerichtet. Zum Wintersemester 2007/2008 wurden nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz nahezu 6.900 derartige Studiengänge angeboten. Sie machen damit insgesamt bereits ca. 61 Prozent des Studienangebots in Deutschland aus, an Fachhochschulen betrug ihr Anteil bereits zirka 86 Prozent. Ziel der Länder ist es, bis 2010 die bisherigen Hochschulabschlüsse Diplom und Magister durch Bachelor und Master zu ersetzen.

 

Gestufte Studiengänge

Die Kultusministerkonferenz hat ländergemeinsame Strukturvorgaben für Bachelor- und Masterstudiengänge beschlossen. Zu den wesentlichen Bestimmungen zählen:

  • Bachelor- und Masterstudiengänge können an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen, wie auch an Fachhochschulen eingerichtet werden.
  • In einem System mit gestuften Studienabschlüssen stellt der Bachelorabschluss künftig den Regelabschluss dar. Das Studium muss wissenschaftliche Grundlagen, Methodenkompetenz und berufsfelderbezogene Qualifikationen vermitteln. Er ist ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss und beinhaltet grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse an Fachhochschulen.
  • Der Masterabschluss stellt einen weiteren berufsqualifizierenden Abschluss dar. Er verleiht dieselben Berechtigungen wie Diplom- oder Magisterabschlüsse an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen. An Fachhochschulen erworbene Masterabschlüsse eröffnen den Zugang zu den Laufbahnen des höheren Dienstes in der öffentlichen Verwaltung. Masterstudiengänge werden nach den Profiltypen stärker anwendungsorientiert oder stärker forschungsorientiert differenziert. Zugangsvoraussetzung ist immer ein bereits erworbener berufsqualifizierender Hochschulabschluss (z.B. Diplom- oder Bachelorabschluss). Der Zugang zum Masterstudium soll zudem vom Nachweis besonderer Qualifikationen im Hinblick auf die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Studiengangs abhängig gemacht werden. Solche besonderen Zugangsvoraussetzungen können spezielle Sprachkenntnisse, ein Aufnahmetest, ein gutes Bachelorzeugnis und Ähnliches sein. Es ist also ratsam, sich rechtszeitig über die Zulassungsvoraussetzungen für ein Masterstudium zu informieren.
  • Die Regelstudienzeit im Bachelorstudium beträgt mindestens drei und höchstens vier Jahre, wobei mindestens 180 bzw. 240-ECTS Punkte nachzuweisen sind (Leistungspunktesystem). Das anschließende Masterstudium ist auf mindestens ein und höchsten zwei Jahren angelegt und erfordert (unter Einbeziehung des vorangegangenen Studiums) insgesamt 300 ECTS-Punkte.
  • Masterabschlüsse, die an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen oder an Fachhochschulen erworben wurden, berechtigen grundsätzlich zur Promotion.
  • Neben konsekutiven Masterstudiengängen, die inhaltlich auf einen Bachelorstudiengang aufbauen und diesen fachlich fortführen oder vertiefen, gibt es auch nicht-konsekutive Masterstudiengänge, sowie weiterbildende Masterstudiengänge. Letztere setzten eine einschlägige qualifizierte Berufspraxis voraus.
  • Ein diploma-suplement wird dem Abschlusszeugnis beigefügt und bibt genaue Auskunft über das dem Abschluss zugrunde liegende Studium und die erworbene Qualifikation.

 

Abschlussbezeichnungen

Entsprechend den einzelnen Fächergruppen werden unterschiedliche Abschlussbezeichnungen vergeben. Absolventen der Ingenieurwissenschaften erhalten folgende Abschlussbezeichnungen:

  • Bachelor of Engineering  oder Bachelor of Science (B.Eng. oder B.Sc.)
  • Master of Engineering oder Master of Science (M.Eng oder M.Sc.)

 

Modularisierung und Leistungspunkte

Weiteres Kennzeichen der Bachelor-/Masterstudiengänge ist die Modularisierung der Lehrinhalte. Unter „Modul2" versteht man einen mit Lernzielen versehenen Verbund von inhaltlich und zeitlich aufeinander abgestimmten Stoffgebieten und Lehrveranstaltungen, der eine in sich geschlossene, studienbegleitend geprüfte und mit Leistungspunkten ausgewiesene Studieneinheit bildet. Die erbrachten Studienleistungen werden anhand eines europäischen Punktesystems (ECTS) gemessen. Leistungspunkte (Credits) sind ein Maß für die studentische Arbeitsleistung – den so genannten Workload – im Präsenz- bzw. Selbststudium. Einbezogen werden können ferner z.B. Praktika, fremdsprachige Lehrveranstaltungen, sowie Auslandsaufenthalte.  (siehe auch Fernstudiengänge)

 

Akkreditierung

Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor und Master werden im Rahmen der so genannten Akkreditierung auf ihre Qualität hin überprüft. Zu diesem Zweck wurde die „Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland“ errichtet. Der Akkreditierungsrat als zentrales Beschlussgremium der Stiftung, an dem Vertreter der Hochschulen, der Länder, der Berufspraxis und der Studierenden beteiligt sind, definiert die Standards und Kriterien für Akkreditierungsverfahren und akkreditiert die damit beauftragten Agenturen, die unter Beteiligung externer Fachgutachter (insbesondere Fachwissenschaftler, Berufspraktiker) und Studierender der Studiengänge auf ihre Qualität hin überprüfen. Die Ergebnisse der Verfahren werden veröffentlicht und fördern die Transparenz, Vergleichbarkeit und Orientierung – auch im internationalen Maßstab – der jeweiligen Studienangebote. Als Zeichen der positiv bestandenen Qualitätsprüfung tragen die zertifizierten Studiengänge das Gütesiegel des Akkreditierungsrates. Die erfolgreiche Akkreditierung bildet in der Regel die Voraussetzung für eine staatliche Genehmigung eines Bachelor-/Masterstudienganges oder ersetzt diese. Bis zum Januar 2008 haben ca. 3.300 Bachelor- und Masterstudiengänge ein Akkreditierungsverfahren nach den Standards des Akkreditierungsrats erfolgreich durchlaufen. Bei noch ausstehender Akkreditierung kann die Genehmigung befristet oder vorläufig erfolgen. Die zentrale Datenbank aller in Deutschland akkreditierten Studiengänge findet man auf der Internet-Seite des Akkreditierungsrates www.akkreditierungsrat.de.

Quelle: Studien- & Berufswahl 2008/2009, Bundesagentur für Arbeit

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