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Ingenieurberufsgruppe gegenwärtig eine Männerdomäne

Durch eine Betrachtung der Daten und Statistiken zur Ingenieurberufsgruppe stellt man eindeutig fest, dass diese Berufsgruppe gegenwärtig eine Domäne der Männer ist. Bereits im Schulalter streut sich unterschwellig das Vorurteil vom technisch talentierten Jung und vom literarisch begabten Mädchen aus. Das verbreitete Klischee, dass Ingenieurwissenschaften eine Herrschaft der Männer sind, wird noch durch die geringen Frauenquoten bestätigt. Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieure in Deutschland liegt bei etwas mehr als 654.358.

Davon sind 72.139 Ingenieurinnen. Im Detail sieht die Beschäftigungsgruppe Frauen wie folgt aus: 7.768 Maschinen- und Fahrzeugbauingenieurinnen, 8.740 Elektroingenieurinnen, 27.368 Architektinnen bzw. Bauingenieurinnen, 1.679 Vermessungsingenieurinnen, 389 Bergbau-, Hütten- und Gießereiingenieurinnen, 2.994 übrige Fertigungsingenieurinnen und 23.201 sonstige Ingenieurinnen. Insgesamt sind 25.635 Ingenieure/innen arbeitslos (davon 6.6448 Ingenieurinnen). Während die Arbeitslosenquote bei den Männern bei 3,8 Prozent liegt, erreicht sie bei Frauen 8,4 Prozent. (Quelle: Verband Deutsche Ingenieure e.V., VDI Statistikportal)

Positiver Ausblick

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass heute noch Ingenieurinnen in den meisten Unternehmen stark unterrepräsentiert sind. Vor allem in Führungspositionen sind Ingenieurinnen Mangelware. Betrachtet man aber die die Entwicklung der Beschäftigtengruppe Ingenieurinnen in den letzten zehn Jahren stellt man fest, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieurinnen um mehr als 20 Prozent gestiegen ist. Heute gibt es rund 12.000 Ingenieurinnen mehr in als vor zehn Jahren, die in deutschen Unternehmen beschäftigt sind. Und die Arbeitslosenquote ist in den letzen zehn Jahren von 20 Prozent auf rund 8 Prozent zurückgegangen. Die Frauenanteile in allen Bereichen der Ingenieurwissenschaften, sei es Maschinenbau oder Elektrotechnik, nehmen langsam aber sicher zu und immer mehr Unternehmen rekrutieren und stellen jüngere Ingenieurinnen ein.

Ein Trend zu mehr Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern ist eindeutig. In den Unternehmensphilosophien festigen sich immer mehr die Gleichheitsprinzipien. Unternehmen, die diese konkret anwenden, tragen zur Abschwächung der Konsequenzen des Ingenieurmangels und zur nachhaltigen Sicherheit der beruflichen Zukunft der Ingenieurinnen von Heute und von Morgen bei. Unternehmen ändern zunehmend ihre personalpolitische Handlungsmaßnahmen und tun mehr für die Förderung des weiblichen Nachwuchses im technischen und auch naturwissenschaftlichen Bereich. Es ist keineswegs so, dass in der Realität Ingenieurinnen immer die gleichen Chancen wie ihren männlichen Kollegen haben. Eine komplette Ablegung der Vorurteile und üblichen Klischees bezüglich Frauen in Ingenieurberufen wird noch einige Zeit und womöglich ein Generationswechsel in Anspruch nehmen. Aber das ist schon mal ein positiver Ausblick.

Berufseinstieg: Idealer Zeitunkt

Durch den derzeitigen Ingenieurmangel in Deutschland verbessern sich die Karrierechancen für Ingenieurinnen eindeutig. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist ideal sowohl für einen Berufseinstieg als auch für die Aufnahme eines Ingenieurstudiums, denn deutsche Unternehmen suchen verzweifelt hochqualifizierte Fachkräfte und talentierte Nachwuchskräfte wie nie zuvor. Zudem verbreitet sich verstärkt die Feststellung, dass gemischt aufgestellte Teams effizienter arbeiten und besser zum Erfolg eines Unternehmens beitragen können. Viele Unternehmen stellen gezielt Frauen ein, u.a. weil sich das Anforderungsprofil für technische hochqualifizierte Fachkräfte in den letzen Jahren so verändert hat, dass zunehmend Fähigkeiten und Eigenschaften verlangt werden, welche sozialisationsbedingt eher Frauen zugeteilt werden können.

Beruf, Karriere und Familie

Beim Thema Karrierechancen hat Gleichberechtigung nicht immer Vorrang innerhalb von Unternehmen. Aus einer Studie des Vereins Deutscher Ingenieure e.V. geht hervor, dass viele Unternehmen Familienfreundlichkeit noch als typisches Frauenthema betrachtet wird.  Während beinahe 50 Prozent der männlichen Führungskräfte behauptet, dass ihre Karrierepläne durch eigene Kinder nicht beeinflusst werden, ist dies lediglich bei 25 Prozent der Frauen der Fall. Man stellt Frauen häufig vor der Wahl, sich zwischen Beruf oder Familie zu entscheiden. Viele Frauen in Leitungsfunktion entscheiden sich des Öfteren gegen Kinder. Zudem geraten Männer, die sich von der klassischen Rollenverteilung befreien wollen und eine Auszeit für die Kinder durch die Elternzeit beanspruchen, oft in Konflikt mit dem Arbeitgeber. Dies kann negative Auswirkungen für die Karriere der Frau haben, insbesondere wenn beide Elternteile beschäftigte Ingenieure sind.

Laut Einschätzung von mehr als 50 Prozent der Personalverantwortlichen sind Auszeiten von 1 Jahr oder mehr der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen negativ für das Unternehmen. Personalverantwortliche raten ihre Führungskräfte Einzelabsprachen mit den Vorgesetzten zu treffen. Ingenieure/innen nehmen meist nur eine kurze Elternzeit in Anspruch und entsprechen damit den Arbeitgebererwartungen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die für eine bestimmte Zeit in Teilzeit gehen, und bereits eine Führungsposition haben, haben erfahrungsgemäß die besten Chancen in dem Unternehmen zu bleiben. Hingegen ist es immer noch sehr schwer eine Karriere in Teilzeit zu starten und ausüben. Knapp 60 Prozent der Führungskräfte arbeiten zwischen 41 und 55 Stunden in der Woche. Mehr als 60 Prozent würden gerne zwischen 31 und 40 Stunden in der Woche arbeiten. Die häufigste Begründung ist der Wunsch nach mehr Zeit für die eigene Familie.(Quelle: VDI-Bericht Ingenieurinnen und Ingenieure im Spannungsfeld zwischen Beruf, Karriere und Familie, www.vdi.de)