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Ingenieurbedarf steigt trotz negativer Konjunkturprognosen

Die Wirtschaftszahlen, welche die Bundesregierung, die Europäischen Union und zahlreiche Wirtschaftsinstitute liefern, deuten auf eine bedrohliche Stagnation des Wachstums in Deutschland im Jahre 2009. Unternehmen stellen sich auf Grund der derzeitigen internationalen Finanz- und Immobilienkrise auf magere Zeit ein:  Standorte werden dicht gemacht, Mitarbeiter entlassen, (akquirierte) Aufträge an Fremdunternehmen vergeben oder sogar abgelehnt. Trotzt all dieser negativen Zeichen und Trends konnten deutsche Unternehmen, insbesondere in Baden-Württemberg, NRW und Bayern tausende von vakanten Ingenieurstellen insbesondere in Vertriebs- oder Produktionsfunktionen nicht besetzen.

Der Wettbewerb zwischen Unternehmen um die besten Ingenieure hat längst begonnen. Die Folgen sind zusätzliche Kosten Ausgaben für professionelle Personalberatungen und die Zahlung höher Jahresgehälter. Der derzeitigen Ingenieurmangel wird sich laut vieler Experten auch in den nächsten Jahren verschärfen. Sie denken, dass der steigende Ingenieurbedarf kein vorübergehendes Phänomen, sondern eher eine langfristige Strukturwandel ist.

Laut jüngster Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln ist der Ingenieurmangel im Jahr 2008 auf die beträchtliche Zahl von 95.000 angewachsen. Einer der Gründe ist demographischer Natur: Das Zahlenverhältnis zwischen Jungen und Älteren stimmt nicht: Immer mehr älteren Ingenieure gehen in Rente, immer weniger Hochschulabsolventen rücken nach. Von dem Ingenieurmangel sind insbesondere technische Branche wie Elektroindustrie, Informationstechnologie, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Engineeringdienstleister betroffen.

Dass so viele Ingenieure gesucht werden, ist eigentlich für die zukünftigen Absolventen eines Ingenieurstudiums eine erfreuliche Nachricht. Sie haben hervorragende Chancen gleich nach dem Hochschulabschluss eine Arbeitstelle zu finden, wenn Sie nicht an den Rekrutierungsverfahren der Personalverantwortlichen scheitern. Doch während sich junge Ingenieure freuen, steigen die Sorgen der deutschen Wirtschaft: Die Befürchtungen, dass der heutige Ingenieur- und Fachkräftemangel sich immer mehr zu einer Bremse der internationale Wettbewerbsfähigkeit, Forschungs- und Innovationsprozesse und letztendlich des Wirtschaftswachstums Deutschlands entwickelt, sind groß.

Insbesondere der Erfolg innovativer und hochtechnologisierten Unternehmen hängt sehr stark vom Know-how von den Kompetenzen bestens qualifizierter Ingenieure ab. Bereits heute korrigieren deutsche Unternehmen ihre Umsatz- und Gewinnprognose nach unten. Es ist zu vermuten, u.a. wegen Mangel an berufserfahrenen Projektingenieuren.

Ingenieurbedarf nach Branchen

Aus einer Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln unter kleinen mittelständischen und großen deutschen Unternehmen aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor, resultiert, dass Branchen, die stark technologisch geprägt, innovativ und forschungsorientiert sind, wesentlich stärker dazu tendieren, Ingenieure bzw. Ingenieurinnen zu beschäftigen, als z.B. Unternehmen des traditionellen Dienstleistungssektors. Rund drei Viertel der Unternehmen der hochtechnologisierten Branchen Elektroindustrie, Maschinenbau und des spezialisierten forschenden Dienstleistungssektor beschäftigen Ingenieure und Ingenieurinnen. Bei den Branchen mit einer niedrigen Technologie- bzw. Forschungsaffinität, u.a. Großhandel und Werbung, sinkt dementsprechend die Bedeutung der Berufsgruppe Ingenieure bzw. die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften.

Die Tabelle verschafft einen Überblick über die branchenspezifische Beschäftigung und Bedeutung von Ingenieuren und Ingenieurinnen. Die Prozentangaben beziehen sich auf die Zahl von Unternehmen, die auf die Frage ob sie Ingenieure beschäftigen, mit „ja“ geantwortet haben.

 

Die Ingenieurdichte in der Industrie und im Dienstleistungssektor steigt konstant

Auf Grund des seit Jahren steigenden Ingenieurbedarfs deutscher Unternehmen hat sich aus Sicht der Ingenieure der Arbeitsmarkt in den letzen Jahren sehr gut entwickelt. Sowohl berufserfahrene Ingenieure als auch Absolventen eines Ingenieurstudiums haben größere Vorteile als andere Berufsgruppen durch den Boom des Arbeitsmarktes der letzen Jahre erzielt. Der Berufseinstieg von Absolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiengangs erfolgte schneller als bei Absolventen anderer Studiengänge, die verstärkter von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Die gesamtwirtschaftliche Ingenieurdichte in der Industrie und Dienstleistungssektor ist zwischen 2000 und 2006 konstant von 2,36 auf 2,49 gestiegen. Der Anteil der beschäftigten Ingenieure im Vergleich zu allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt im Durchschnitt aller Branchen bei 2,4 Prozent und erreicht in der Elektroindustrie und im Fahrzeugbau Spitzenwerte von 9,8 Prozent.

 

Realisierte und geplante Neueinstellungen von Ingenieuren

Nach dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln ist im Jahr 2006 ist das Ingenieurpersonal deutscher Unternehmen aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor durch realisierte Neueinstellungen im Durchschnitt um 6,6% gestiegen. Die bemerkenswert hohe Neueinstellungsquote in der Bauwirtschaft ist auf die positive Geschäftsentwicklung der Branche und die sinkende Zahl der arbeitslosen Bauingenieure zurückzuführen. Die Beschäftigungsplanungen deutscher Unternehmen für das letzte Jahr deuteten auf einen Einstieg der beschäftigen Ingenieure von durchschnittlich 8,4 % vor.

Die hohe Prozentzahl der geplanten Neueinstellungen vor allem in den Branchen Forschung und Entwicklung, Maschinebau und Elektroindustrie ist sicherlich ein Zeichen dafür dass der Ingenieurmarkt derzeit boomt und die Ingenieurnachfrage vor allem von hochtechnologisierten Unternehmen sehr hoch ist. Doch leider verbirgt sich hinter diesen Zahlen auch die traurige Tatsache, dass viele Unternehmen im Jahr 2006 und auch davor auf Grund des starken Ingenieurmangels und der Rekrutierungsproblemen, es nicht geschafft haben, vakante Ingenieurstellen erfolgreich zu besetzen.

Nach den jüngsten Daten des Instituts für Arbeit und Berufsforschung sind im Jahr 2007 12.157 sozialversicherungspflichtige Ingenieure eingestellt worden. Somit ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Ingenieure von 642.201 im Jahr 2006 auf 654.308 im Jahr 2007 gestiegen. In Anbetracht der geplanten Neueinstellungsquote und der nicht besetzten Stellen fehlten im Jahr 2007 den deutschen Unternehmen etwa 70.000 Ingenieure. Laut Zahlen aus dem Jahr 2008 hat sich der Mangel verschlimmert: Derzeit können etwa 95.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden.

Strategische Maßnahmen nötig

Als Folge der Ingenieurlücke sind Unternehmen angewiesen, bestimmte Strategien und Mittel verstärkt anzuwenden. Die häufigsten Maßnahmen, die von Unternehmen getroffen werde, lauten wie folgt:

  • Weiterbildung der bereits vorhandener Mitarbeiter (66,3 %)
  • Nutzung flexibler Arbeitszeiten (64 %)
  • Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (51,3 %)
  • Rekrutierung älterer Mitarbeiter (43,7 %)
  • Kooperation mit Hochschulen bei der Ausbildung (35,6%
  • Zahlung deutlicher höherer Gehälter (26,3%)
  • Gesundheitsförderung im Betrieb (25,7%)
  • Abwerben von Mitarbeitern aus anderen Unternehmen (25,1%)
  • Rekrutierung von Mitarbeiter aus dem Ausland (21,2%)
  • Nutzung des Angebots dualer Studiengänge (20,5%)
  • Prämien für geworbene Mitarbeiter (17,9 %)

(Quelle:www.iwkoeln.de, IW-Zukunftspanel 2008)