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Anspruchvolles Ziel: Deutschland soll bis 2015 der Technologieführer werden. Aber wo sind denn die Ingenieure?

„Deutschlands Ingenieure genießen nach wie vor Weltruf. Ausländische Investoren wissen, dass sie hier hervorragend ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte vorfinden. Deutschlands Zukunft liegt in der Forschung und Entwicklung, im Hightech-Bereich. Um Deutschland fit für die Zukunft zu machen, müssen wir daher mehr für die Bildung und Ausbildung der Arbeitskräfte tun. Wir können nicht billiger sein als Polen oder Chinesen.

Aber wir können besser sein.“ So äußerte sich Peter Englisch Partner von Ernst&Young im Jahr 2005 bezüglich der Attraktivität des Standort Deutschland. Weltweit wird das Bild von Deutschland immer noch von den großartigen Leistungen seiner hochqualifizierten Fachkräfte und innovationsstarken Unternehmen geprägt. Doch wie kann Deutschland dieses Prestige langfristig bewahren, wenn derzeit jeden Monat etwa 23000 Ingenieurstelle nicht besetzt werden können und wenn Deutschland im europäischen Vergleich die geringste Quote an Absolventen der Ingenieurwissenschaften hat?

 

Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie

Die deutsche Wirtschaft hat ein neues Ziel anvisiert. Bis zum Jahr 2015 soll Deutschland erneut zum führenden Wirtschaftsstandort im Bereich Technologie werden. So lautet das deklarierte Vorhaben der Initiative „Sachen Machen“ des VDI, Verein Deutscher Ingenieure, in Kooperation mit Industrie und verschiedenen Wirtschaft- und Wissenschaftseinrichtungen. Darunter sind viele namenhafte Unternehmen wie z.B. DaimlerChrysler, Linde, Porsche, ThyssenKrupp, EADS und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Mit vereinten Kräften wollen die Akteure der deutschen Wirtschaft und Wissenschaft mit aktiven und konkreten Maßnahmen den Nachwuchs der Ingenieure unterstützen. Dadurch soll bei jungen Menschen, gezielter bei Frauen, mehr Interesse und Begeisterung für Technik, Technologie und Innovation und die damit verbundenen technische und ingenieurwissenschaftliche Berufe entstehen. Insgesamt möchte man das öffentliche Bild des Technikstandortes Deutschland, sowohl was Unternehmen als auch Hochschulen betreffen, verbessern.

Durch eine effiziente Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft soll die Innovationskraft als Erfolgs- und Wachstumstreiber deutscher Unternehmen verstärkt und die Entwicklung konkurrenzfähiger Technologien und Produkte unterstützt werden. Diese Zielsetzungen sind ansehnlich und verbreiten Hoffnung und Optimismus im Hinblick auf die zukünftigen Entwicklungen. Noch ist Deutschland in einigen Technologie- und Energiebranchen weltweit führend. Ein Beleg dafür sind die hervorragenden Exportzahlen. Doch in manch anderen Bereichen spürt man bereits die Folgen des Ingenieurmangels. Im Bereich Luft- und Raumfahrt z.B. sucht man bereits verzweifelt nach Ingenieure der Elektrotechnik und Maschinenbau.

Technisierung der Berufswelt steigt konstant

Die Technisierung der Berufswelt nimmt konstant zu. Sicher ist, dass ohne ausreichendes technisches „Human Kapital“ die technologische Entwicklung, die forschungs- und wissensintensive Arbeit und in Folge dessen auch  die internationale Wettbewerbsfähigkeit und den Wachstum Deutschlands zukünftig deutlich darunter leiden werden. Unternehmen haben erhebliche Schwierigkeiten Ingenieure und Ingenieurinnen zu rekrutieren und bewerten die Ingenieurverfügbarkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt, wie die untere Tabelle zeigt, dementensprechend schlecht:

Der Ingenieurbedarf der deutschen Industrie steigt immer mehr. Aufgrund eines sich verschärfenden Ingenieurmangel können zahlreiche Unternehmen Positionen in den Funktionen Technik, Vertrieb, Entwicklung und Forschung nicht besetzen. Die volkswirtschaftliche Einbuße für Deutschland werden immer höher. Der Ingenieurarbeitsmarkt ist leergefegt! Etwa 69.600 Ingenieure und Ingenieurinnen fehlten der deutschen Wirtschaft bereits im Jahr 2007 und die wirtschaftlichen Konsequenzen dieses Phänomens spüren bereits viele Unternehmen. Ironie des Schicksals:

Laut den jüngsten Zahlen hat sich der allgemeine Arbeitsmarkt entspannt, aber der Ingenieur- bzw. Fachkräftemangel deutlich verschärft. Doch es soll noch schlimmer werden: Laut vielen Studien, beispielsweise von der OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wird sich der „wahre“ Ingenieurmangel erst in vier bis acht Jahren bemerkbar machen. Junge Menschen, die bis dahin ein Studium der Ingenieurwissenschaften erfolgreich absolviert haben, sind prädestiniert in einem bereits leergefegten Ingenieurarbeitsmarkt von dringend suchenden Unternehmen schnell „aufgesaugt“ zu werden.