Wo bleiben die Ingenieurabsolventen?

Der Ingenieurbedarf ist sehr hoch, aber die Albsolventenzahlen der Ingenieurstudiengänge zu niedrig. Im Jahr 2006 haben 39.129 Studierende bundesweit ein Studium der Ingenieurwissenschaften abgeschlossen. Sie wurden schnell vom Arbeitsmarkt aufgesaugt. Doch auf Grund des starken Ingenieurbedarfs deutscher Unternehmen, mehr als 69.000 Ingenieurstellen sollten nur für das Jahr 2007 besetzt werden, bleibt der Ingenieurlücke sehr groß. (Quellen: www.destatis.de, Statistisches Bundesamt, 2008; www.iwkoeln.de, IW-Zukunftspanel, 2008). Der Anteil der Absolventen der Ingenieurwissenschaften am Altersjahrgang ist im internationalen Vergleich niedrig: Auf 100.000 Beschäftigen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren kommen im Jahr in Deutschland etwas mehr als 500  Ingenieure. In vielen anderen europäischen Ländern, wie Frankreich, Großbritannien und Finnland liegt die Zahl bei 1000 und mehr.

Nur die Niederlande liegen hinter Deutschland. Die Zahl der Absolventen der Ingenieurwissenschaften hat sich in den Kernfächern in wenigen Jahren halbiert. Der Anteil der Absolventen der Ingenieurwissenschaften bezogen auf die Zahl der gesamten Absolventen war von 1995 bis 2002 kontinuierlich rückfällig. Und der Frauenanteil unter den Ingenieuren ist im internationalen Vergleich minimal (Quelle: www.his.de, Hochschul-Informations-System).

Nach einem Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschland 2007 ist es fraglich, ob das deutsche Bildungssystem in den nächsten Jahren in der Lage sein wird ein entsprechendes hochqualifiziertes Fachkräfteangebot bei zunehmender Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft und Industrie zur Verfügung zu stellen. Die hohen Studienabbrecherquoten und die niedrigen Absolventenzahlen werden mittelfristig zu einem gravierenden Akademikerengpass in Deutschland führen. Zwischen 41000 und 62.000 Ingenieuren und weiteren Akademiker fehlen jährlich der deutschen Wirtschaft, d.h. im Mittel etwa ein Drittel der Absolventenjahrgänge.

Engpass bis 2014 unverändert

Laut Einschätzungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird dieser Engpass bis zum Jahr zum 2014 konstant bleiben. Außerordentlich stark betroffen ist die Ingenieurberufsgruppe durch einen jährlichen Mangel von etwa 12.000 Absolventen. Dazu kommt Folgendes: Bis zum Jahr 2010 müssen über 12 Prozent der vorhandenen Akademiker schon wegen natürlicher Fluktuation ersetzt werden. Bis zum Jahr 2010 werden ca. 37.000 und nach 2015 ca. 43.000 Ingenieure in Rente gehen. Berücksichtigt man die erwartete magere Entwicklung der Zahl von Ingenieurabsolventen in den nächsten Jahren, etwa 40.000 im Jahr, lässt sich eindeutig feststellen, dass sich die dramatische gegenwärtige Ingenieurlücke weiter verschlimmern wird. Die jährlichen Absolventen reichen gerade mal aus, um die aus altersbedingten Gründen ausgeschiedenen Ingenieure zu ersetzen, geschweige denn um den zusätzlichen dringenden Bedarf deutscher Unternehmen zu decken.

Die  Nachfrage nach akademischen Qualifikationen insbesondere in innovationsorientierten Unternehmen ist stark. Ingenieure werden zunehmend zu Schlüsselfaktoren, um den gestiegenen Innovationsdruck besonders in den forschungsintensiven Industriebranchen zu meistern. Doch nur etwa 7 bzw. 10 von 1.000 jungen Menschen absolvieren in Deutschland jährlich ein Studium der Natur- oder Ingenieurwissenschaften. In fast allen hoch entwickelten Ländern, außer in Italien und den Niederlanden, sind die Absolventenquoten im Bereich Ingenieurwesen im Durchschnitt deutlich höher (Quelle: www.bmbf.de )