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Keine Begeisterung für das Ingenieurwesen

Das Interesse für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften ist in den letzten Jahren stark gesunken. Die Zahl der Hochschulabsolventen in ingenieurwissenschaftlichen Fächern ist im Vergleich zu allen Hochschulabsolventen von gut 20 Prozent im Jahr 1999 auf 16 Prozent im Jahr 2006 gesunken. Ursachen dafür sehen die Bildungsökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, das eine Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) durchgeführt hat, bereits in der Schule. Als deutlich ausbaufähig identifiziert der Bildungsmonitor die Ganztagsbetreuung an Kindertagesstätten und Schulen. In einigen Bundesländern werden nur zwei Prozent aller Grundschüler und acht Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren ganztägig betreut. Nur die ostdeutschen Bundesländer wie  beispielsweise Sachsen und Thüringen (66 und 63 Prozent aller Grundschüler) bilden hier Ausnahmen. Die geringe Anzahl von Studierenden bzw. Absolventen bedeutet eine potentiell geringe Anzahl von Bewerbern bzw. Kandidaten.

Das liegt sicherlich an einer technikfeindlichen Sozialpolitik und an einem elitären Denken der Hochschulpolitik. Mitverantwortlich für das fehlende Interesse jünger Menschen bezüglich eines Studiums der Ingenieurwissenschaften und den heutigen Ingenieurmangel ist auch das Schulsystem. Dieses hat wenig unternommen, um die Vermittlung von naturwissenschaftlichem und technischem Wissen an Kinder und Jugendlichen zu fördern. Die Schule soll zukünftig das Interesse jünger Menschen für ein Technikstudium stärker wecken und sie darauf kompetent vorbereiten. Die Schulen sollten u.a. die Möglichkeiten des bei Jugendlichen sehr beliebten Mediums Internet ausschöpfen. Schulredaktionen sollten auf ihre Schulwebseiten durch jugendspezifisch gestaltete Informationen zum Berufsbild des Ingenieurs bzw. der Ingenieurin, zu Praktika oder Studiengängen durch informative Werbung, das Interesse der Schüler für ein eventuelles technisches Studium wecken.

Nach dem Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammertag hat das mangelnde Interesse Ingenieur- oder Naturwissenschaften mit der falschen Weichenstellung in den Schulen zu tun. Man würde mit naturwissenschaftlichen und technischen Fächern später anfangen und zu früh aufhören. Bereits in der Grundschule sollte es ein Unterrichtsfach zum Thema Naturphänomene geben und bis zum Abitur müssten mindestens zwei naturwissenschaftliche Fächer belegt werden (http://www.handelsblatt.com).
Das deutsche Schulsystem muss diesbezüglich radikal umdenken: Deutschland braucht eine leistungsstarke und wirtschaftnahe Schule, die sich an den gewandelten Anforderungen der Wirtschafts- und Arbeitswelt konstant anpasst. Hochschulen haben bereits angefangen, dem Desinteresse für Ingenieurwissenschaften und dem technikfeindlichen Trend  gegen zu wirken.

Denn der Ingenieurmangel hat das Studium der Ingenieurwissenschaften nach Jahren wieder in die öffentliche Diskussion gebracht. Ingenieurwissenschaftliche Fakultäten und die Hochschulpolitik haben das Studienangebot breiter gefächert und die Studienqualität verbessert. Die Folgen: Die Zahl der männlichen Studienanfänger der Ingenieurwissenschaften lag im Wintersemester bei 48 300 bzw. 8 Prozent über dem Vorjahr. Positive Meldungen bezüglich Studienanfängerinnen teilte im Rahmen Weltfrauentag am 8. März das Statistische Bundesamt mit: im Wintersemester 2007/2008 konnte man bei Frauen ein stärkeres Interesse für ein Studium der Ingenieurwissenschaften durch 13 300 Studienanfängerinnen, d.h. 13 Prozent mehr als im Wintersemester 2006/2007 feststellen (Quelle: http://www.destatis.de ).

Die Anzahl der Studierenden und Studienanfänger der Ingenieurwissenschaften im ersten Fachsemester betrug im Jahr 2004 84.692. Im Jahr 2006 ist die Zahl um 4,4 Prozent auf 80.680 gesunken. Die Zahl der Studierenden und Studienanfänger der Wirtschaftsingenieurwesen im ersten Fachsemester lag im Jahr 2006 bei 46.681. Im Jahr 2006 ist diese Zahl um bemerkenswerte 15,4 Prozent auf 59.964 gestiegen. Die Gesamtzahl der Studierende der Ingenieurwissenschaften ist im Jahr 2006 verglichen mit dem Jahr 2004 um 1,4 Prozent auf 321.899 gesunken (Quelle: www.karrierefuehrer.de, 2.2008).

 

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