Gründe des Studienabbruchs

Verfehlte Fachrichtung, neue Studienstrukturen, brechendvolle Hochschul-Hörsäle, gestresste Dozenten und Professoren, Prüfungsangst. Die Ursachen, die dazu führen, dass Studierende das „Handtuch werfen“ und sich von den Hochschulen ohne einen Abschluss verabschieden, sind zahlreich. Viele Studenten beschäftigen sich mindestens einmal während ihres Studiums mit dem Thema Studienabbruch. Nur ein Teil von ihnen, etwa 70.000 jährlich setzt diese Gedanken tatsächlich um. Wer an diesen Punkt kommt und sein Studium abbricht, wird von Selbstzweifeln geplagt und von der Angst verfolgt, nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Wer daran glaubt, für den ist es tatsächlich so. Wer dies als neue Herausforderung sieht, der macht seinen Weg. Studienabbrecher beginnen häufig entweder eine zweite Ausbildung oder steigen, z.B. auf Grund eines für sie interessanten Stellenangebotes, direkt ins Berufsleben ein. Die genauen Gründe für die hohe Abbrecherquote unter Studierenden von Ingenieurwissenschaften sind nicht so klar. Es handelt sich vermutlich um verschiedene wechselseitige Einflussfaktoren. Darunter sicherlich Finanzierungsschwierigkeiten bzw. wirtschaftliche Faktoren, wie Einführung von Studiengebühren und das Bedürfnis der Studierenden neben dem Studium zu arbeiten, sind weitere Gründe für einen frühzeitigen Studienabbruch. Das Bedürfnis der Studierenden, „nebenbei“ Geld zu verdienen, führt zur Verlängerung der Studienzeit und somit zur Relativierung der Studienbedeutung. Studierende „entfremden sich“ vom Hochschulleben, verlieren ihre sozialen Kontakte mit anderen Studierenden, die Kontinuität des Lernens schwindet. Infolgedessen erscheinen Studienaufgaben als unlösbare Angelegenheiten, die  oft zur Entwicklung von Prüfungsängsten führen. Ein weiter wichtiger Grund ist mangelnde Studienvorbereitung. Die Studienwahl ist generell eine Entscheidung von großer Bedeutung, die in der Regel mit starker emotionaler Beteiligung, Stressbedingungen, Bedenken und Ungewissheit verbunden ist. Die Vielfalt der Studienangebote erschwert den Prozess der Entscheidungsfindung in zusätzlicher Weise. Hinzu kommt ein unsicherer Arbeitsmarkt, der stetige Wandel der Berufswelt, die Einflüsse der Globalisierung sowie auch soziale und gesellschaftliche Faktoren, die individuelle Entscheidungsprozesse erschweren. Es ist ratsam, sich bereits in der Oberstufe mit den eigenen Wünschen, Interessen, Ziele und Berufsperspektiven intensiv und systematisch zu beschäftigen.

Eine verfehlte Ausseinandersetzung mit solchen Aspekte kann dazu beitragen, dass erst im Laufe des aufgenommen Studiums sich herausstellt, dass man eine unüberlegte und verkehrte Entscheidung bezüglich der Studienwahl getroffen hat. Die Folgen sind oft hohe Kosten, Zeitverlust, Ärger, Unzufriedenheit sowie Frustration und letztendlich ein Studienabbruch auf Grund fehlender Studienmotivation und des Verlangen nach einer neuen beruflichen Orientierung. Fehleinschätzungen zum späteren Berufsfeld und fehlende Kenntnisse inhaltlicher Studienanforderungen sind oftmals die Ursache eines Studienabbruchs. Ein weitere Ursache für den Anstieg der Studienabbrecherquote steht vermutlich in Zusammenhang mit den neuen Bachelor- Studiengänge: Gestiegene inhaltliche Anforderungen, eine deutliche Zunahme des Lernstoffs verkürzte Studienzeiten aber auch ein „verschulter“, voll gepackter und fest determinierter Ablauf tragen dazu bei, das Studium eher zu verdichten als schlanker zu gestalten. Andere hochschulinterne Ursachen könnten die schlechte Hochschulbetreuung, mangelnde Unterstützung der Studierende und eine verbesserungsbedürftige Hochschuldidaktik sein. (Quelle: www.his.de). Zahlreiche Studierende der Ingenieurwissenschaften, aber auch der Informatik und der Naturwissenschaften, die es schaffen, ihren Studium erfolgreich abzuschließen, kritisieren rückblickend einen mangelnden Kontakt zu Dozenten und Professoren, fehlende Praxisbezug des Unterrichts, minimales Feedback über erbrachte Leistungen sowie ein fehlender Support in der Übergangsphase von der Hochschul- zur Arbeitswelt.

Die wesentlichen Studienabbruchgründe

  • Uneingelöste Erwartungen bezüglich des Studiums Allgemein
  • Uneingelöste Erwartungen bezüglich des Studienfaches
  • Überforderung durch die Studienanforderungen
  • Schlechte Studienbedingungen
  • Zu großer zu erbringender Zeitaufwand
  • Finanzielle Schwierigkeiten
  • Unvereinbarkeit von Studium und Berufstätigkeit
  • Schlechte Betreuung durch die Lehrende
  • Familiäre Gründe (z.B. Kinderbetreuung)
  • Prüfungsängste
  • Unzufriedenheit mit den Lebensumständen am Studienort

(Quelle: „Studienabbruch — Ursachen, Probleme, Begründungen“ von P. Pohlenz, K. Tinsner & M. Seyfried, 2007)

Laut einer Studie des Hochschul-Informations-System zu den Ursachen des Studienabbruchs gibt es im Wesentlichen drei Gruppen von ausschlaggebenden Studienabbruchmotiven, die von gleich hoher Bedeutung sind: Motive, die im Beziehung mit einer beruflichen Neuorientierung stehen; finanzielle Motive und Motive, die aus fehlender Studienmotivation entstehen. Daraus ergeben sich die wesentlichen Ursachen eines Studienabbruchs:

  • Wandel der Tätigkeitsprioritäten vom Studium zur Berufstätigkeit: Ein solcher Wandel kann sich aus unterschiedlichen Gründen vollziehen: aus finanziellen Notwendigkeiten, konkreten Beschäftigungsangeboten oder einfach aus stärkeren praktischen Ambitionen
  • Mangelnde Studieneinstellungen und Studienbefähigungen: Dies korrespondiert häufig mit fehlenden Hilfestellungen und Orientierungsleistungen von Seiten der Hochschule
  • Fehlende Studienleistungen:Auch sie können sich in der unterschiedlichsten Form äußern, generell gilt aber, dass Studienanforderungen nicht bewältigt werden
  • Persönliche Probleme:Dabei handelt es sich im Wesentlichen um familiäre Konfliktkonstellationen oder um Erkrankung, die eine Fortführung des Studiums aus Sicht der betreffenden Studienabbrecher unmöglich machen

(Quelle: HIS-Studienabbrecherquote 2002)

 

Chancen nach Studienabbruch

Ein Studienabbruch beutetet keinesfalls zwangsläufig einen Weg in Arbeitslosigkeit ein. Viele Studienabbrecher finden oft schnell einen Einstieg ins Berufsleben, weil sie bereits vor den Hochschulexamen interessante Stellenangebote gesucht und erhalten haben. Der Arbeitsmarkt kann hierbei eine den Studienabbruch begünstigende Sogwirkung erfüllen. Für etliche andere Studienabbrecher ist dennoch das Erststudium eine Phase der Orientierung, die Klarheit über Berufsziele verschafft. Die betreffenden Studienabbrecher beginnen noch während des Studiums mit einer systematischen und aktiven Suche nach weiteren Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Außerordentlich interessant sind demzufolge die Bedeutung des Arbeitsmarktes beim Übertritt von der Hochschule in Beruftätigkeiten, die konkreten Beschäftigungen der Studienabbrecher nach ihrer Exmatrikulation und die Zufriedenheit von Exmatrikulierten mit ihrer neuen Lebens- und Berufssituation. Absolventen als auch die Studienabbrecher scheinen von Arbeitslosigkeit wenig betroffen zu sein. Lediglich 8 Prozent der Abbrecher bleiben ein halbes Jahr nach ihrer Exmatrikulation arbeitslos. Dieser Anteil ist unter Absolventen ist mit 6% ähnlich hoch. Weitere 9 Prozent der Exmatrikulierten ohne Hochschulabschluss nehmen eine Fort- bzw. Weiterbildung bzw. ein Praktikum auf und 6 Prozent beschäftigen sich mit Tätigkeiten im Haushalt. Dennoch ist unter den Studienabbrechern der Anteil derer, die ein halbes Jahr nach Exmatrikulation beschäftigt sind, deutlich geringer als unter den Absolventen (42 Prozent gegen 80 Prozent). Dies gilt gleichermaßen für befristete und Festanstellungen. Dieser Unterschied ist insbesondere durch die hohe Bedeutung, die der Berufsausbildung bei Studienabbrechern zukommt, zu begründen. Grundsätzlich lässt sich somit ableiten: Der Berufeinstieg gelingt Sowohl den Absolventen als auch den Studienabbrechern. Arbeitslosigkeit spielt in beiden Exmatrikulationsgruppen vereinzelt eine Rolle. Fast jeder dritte von ihnen hat nach dem Studium eine berufliche Ausbildung angefangen. Eine bedeutungsvolle Rolle spielt außerdem die an das Examen folgende weitere Ausbildung. Beide Exmatrikuliertengruppen wählen die berufliche Selbständigkeit zunächst relativ selten: 7 Prozent unter den Absolventen bzw. 9 Prozent unter den Studienabbrechern.

 

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